In der Sektionszeitschrift sind in jeder Ausgabe die Programme und Termine
der verschiedenen Gruppen aufgeführt: von Hochgebirgs- und Wandergruppen,
Klettergruppen, der Skigruppe, Treckinggruppe, JDAV und v. a. m.
Dann gibt s auch noch die "Patenschaftsgruppe Kanstein" , die ebenfalls
ihre Termine bekannt gibt: in jedem Jahr jeweils 4 Arbeits- und Besprechungstermine.
Im folgenden will ich die Arbeit der Patenschaftsgruppe beschreiben bzw. darlegen, warum und wofür es diese Gruppe gibt. Dazu muss ich ein wenig in die Geschichte des Kletterns einsteigen.
Klettern in den deutschen Mittelgebirgen gibt es seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. So begann die Erschließung der Felsen des Weser-Leine-Berglandes um 1900. Zunächst konzentrierte man sich wie im klassischen Alpinismus auf die Besteigung der Gipfel, also der freistehenden Felsnadeln und Türme, später wurden Kamine, Risse und auch steilere Wandbereiche durchstiegen, in unserem Gebiet hauptsächlich im Hohenstein (Süntel) und im Kanstein (ausführlich beschrieben in "Leben in den Felsen" von Götz Wiechmann).
Nach einer kurzen Zeit des Freikletterns nach dem 2. Weltkrieg, beeinflusst von den sächsischen Kletterern, wurde in den 50er und 60er Jahren das Klettern mit technischen Hilfsmitteln modern. Anfang der 70er Jahre jedoch wurde diese Art des Kletterns durch den Gedanken des Freikletterns wieder abgelöst. Freiklettern heißt: das Seil wird zur Sicherung zwar in den Haken eingehängt, zur Fortbewegung wird jedoch ausschließlich das Griff- und Trittangebot des Gesteins genutzt. Mit der Verbesserung der Materialien (Schuhe, Seile, Klemmkeile etc.) und der teilweisen Ausrüstung der Kletterrouten mit Sicherheitshaken erfolgte nicht nur eine enorme Leistungssteigerung; Klettern wurde populär und für viele Leute interessant; die Felswände der Mittelgebirge wurden zum beliebten Erholungsgebiet.
Im Zuge der Verbreitung von Natur- und Umweltschutzgedanken Ende der 80er Jahre gerieten die Kletterer der Mittelgebirge ins Kreuzfeuer der Kritik. In der Tat bestand die Möglichkeit der Naturgefährdung durch Kletterer, können doch Vegetationsschäden an den Einstiegen unterhalb der Felsen und an den Ausstiegen auf den Felsköpfen entstehen. Zudem nehmen die Felsen der Mittelgebirge eine Sonderstellung ein: Flora und Fauna auf Felsen wurden nie einer menschlichen Nutzung unterworfen und stellen deswegen ein bisher ungestörtes Relikt dar, vergleichbar mit Mooren (siehe Heft 4/2002) oder Urwäldern. Dies alles sah man durch den Kletterboom gefährdet, Felssperrungen wurden angedacht oder sogar beschlossen. Verschiedene Verbände wie die IG Klettern, Naturfreunde und auch der DAV wurden aktiv, um Weichenstellungen vorzunehmen und mit Naturschutzbehörden zusammen zu arbeiten. Ziel sollte in erster Linie der Erhalt der Klettermöglichkeiten und der Schutz von Fauna und Flora an den Felsen sein. Die lokal verankerte Betreuung der Felsen stellte eine Voraussetzung für die Einflussnahme der Kletterer auf naturverträglichen Klettersport dar. Im Weser-Leine-Bergland hat die IG Klettern Ith die Betreuungsorganisation übernommen. Sämtliche Felsgruppen des Gebietes werden von verschiedenen Interessen- oder Sektionsgruppen betreut. Die Sektion Hannover übernahm 1994 die Patenschaft für das Felsbiotop Kanstein und verpflichtete sich in der Satzung von 1999 in § 2 Punkt 1 und 2 zum Eintreten für die Belange des Naturschutzes. Geeignete Lenkungsmaßnahmen wie der Bau und die Unterhaltung von befestigten und markierten Zustiegswegen, das Anbringen von Umlenkhaken an den Ausstiegen, Fels- oder Routensperrungen während der Brutzeit von Vögeln, sind Hauptaufgaben der Patenschaftsgruppe Kanstein.
Die Arbeiten sind vielfältig, der Wege- und Treppenbau, das Zuspitzen von Pfählen, Schleppen von Steinen und Stämmen zur Randbefestigung braucht viele Hände. Auch leichte Arbeiten wie Wegemarkierungen malen, Felsen nummerieren, Abkürzungen sperren, brauchen Hände, die zupacken.
Leider ist der Andrang der Helfer nie sehr groß. Meistens besteht die Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Klettersportgruppe und der Patenschaftsgruppe, häufig identisch. Im Sommer 2002 allerdings war eine Gruppe Erwachsene und Jugendliche des Alpinclubs Berlin eine große Hilfe. So konnte endlich wieder der Weg von der Liebesnadel zum Kammweg erneuert werden. Der Treppenbau vom Kammweg zum Mittagsfelsen steht neben anderen Maßnahmen im Jahr 2003 an, und die Unentwegten, die bei jedem Arbeitseinsatz dabei sind, reichen für diese große Arbeit nicht aus. Da die Sektion sich 1994 verpflichtet hatte, die Patenschaft zu übernehmen, sollten sich natürlich viele Kletterer, aber auch alle am Naturschutz Interessierten melden. Deshalb mein Aufruf: kommt/kommen Sie zur Vorbesprechung am Mittwoch, den 26. März, um 19 Uhr 30 in die Geschäftsstelle, und zur Arbeit am 26. April, 14. Juni und 20. September zur Kansteinhütte (näheres siehe bei der Patenschaftsgruppe). Es wäre gut, wenn wir mal nicht nur das Allernötigste erledigen könnten, sondern auch die Arbeiten, die schon lange anstehen. Hier spreche ich – neben den (kletternden) Gruppen – auch ausdrücklich die Jugend der Sektion an. Wie wäre es, wenn eine Aktion auf die Beine gestellt würde, wie der Berliner Alpinclub das hingekriegt hat: die Anfahrt ist nur um vieles kürzer! Die Antwort "wir klettern ja nicht im Kanstein" kann keine Gültigkeit haben, da sich die Sektion Hannover für den Kanstein verpflichtet hat. Hiermit ist natürlich auch der Vorstand angesprochen, die Patenschaftsgruppe öffentlich zu vertreten.
Roswitha Wolde-Johannes
Quellen
Vor rund 12.000 Jahren, als sich in Mitteleuropa mit der Erwärmung der Erde die Gletscher zurückzogen und der Frostboden auftaute, besiedelten winterharte Bäume und Sträucher, z. B. Birke und Hasel das Gebiet. Später, als das Klima noch milder wurde, rückten Eschen, Linden und Eichen nach. Diese Eichenmischwälder wurden erst vor ca. 2000 Jahren von Buchen verdrängt. Etwa um 3.000 v. Chr., (also vor ca. 5.000 Jahren), beginnt die gemeinsame Geschichte von Wald und Mensch in Mitteleuropa: die ersten Waldflächen wurden gerodet, die Bevölkerungszahlen stiegen an, größere Siedlungen wurden angelegt. (Siehe auch HAZ 19.01.2002, der 7. Tag). Im Mittelalter dann wurde der Baumbestand der Wälder als Heizmaterial u. a. für Salzsiederei, Glasherstellung und Kohlenbrennerei erheblich reduziert. Erst im 19. Jahrhundert setzte sich die Erkenntnis durch, dass es schaden könne, Wälder grenzenlos auszubeuten. Ansätze zur systematischen Forstwirtschaft folgten, wobei bei der Wiederaufforstung die Fichte eine große Rolle spielte. Erste Berichte über sterbende Wälder wurden 1980 öffentlich: Schwefeldioxid und andere Stoffe begannen die Wälder zu zerstören. Die Diskussionen und der Kampf ums Waldsterben sind hinlänglich bekannt. Mit der Entwicklung der wissenschaftlichen Ökologie wurde begonnen, den Wald nicht nur als Rohstofflieferanten zu sehen, sondern als komplexes Gefüge aus verschiedenen Lebensgemeinschaften, alle miteinander verknüpft: Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen.
| Schichtenaufbau des Mischwaldes | ||||||||||
|
||||||||||
| Graphik: T. Haussmann-Damm; Darstellung: M. Rössig |
Der Mischwald stellt mehr als eine Ansammlung von Bäumen dar; er ist in verschiedene Etagen geschichtet, wobei die oberste Schicht von der Kronenschicht gebildet wird. Hier findet die Photosynthese statt. Millionen von Blättern sind dem Licht zugewandt. (Eine einzige Buche produziert mit einer Blattfläche von 1200 m2 Blattfläche ca. 7000 Liter Sauerstoff am Tag ausreichend für 50 Menschen!). Eine darunter liegende Zwischenschicht aus niedriger wachsenden Bäumen dient vielen Vogelarten als Brutplatz, da hier die Nester vor Wind und Sonne geschützt sind.
Die Strauchschicht wird von Weißdorn, Erlebeere, Vogelkirche, Himbeere u. a. bis zur Höhe von 1-4 m über den Waldboden gebildet. In Nadelwäldern wird die Strauchschicht von Heidelbeere, Besenheide und Ginster gebildet. In der Strauchschicht leben Blattkäfer, die Larven von Blattwespen und bis zu 2000 Schmetterlingsarten meist Nachtfalter , deren Raupen auf die verschiedenen Straucharten spezialisiert sind. Farne bilden die Vermittler von Strauch- und Krautschicht.
Dicht über den Boden bildet sich die Krautschicht mit besonders wenig Lichteinfall. Noch bevor sich das Blätterdach entwickelt, müssen die Frühblüher wie Lerchensporn, Buschwindröschen, Scharbockskraut u. a. das einfallende Licht für Wachstum und Blüte nutzen. Insekten werden zum Transport der Samen benutzt, andere haben Klettfrüchte, die im Tierfell transportiert werden, wieder andere verschießen ihre Samen meterweit. Viele Pflanzen leben in der Dunkelheit des Waldes als Halbschmarotzer oder Vollparasiten, die anderen Pflanzen Nährstoffe entnehmen.
In der untersten Schicht, der Laub- und Moosschicht leben die wichtigsten Organismen des Waldes, die Reduzenten. Viele Tierarten wie Würmer, Aasfliegen und Käfer zerkleinern die Laubmengen, Moose sorgen für Feuchtigkeit, Pilze und Bakterien schließen das Totholz auf, um die Mineralien wieder in den Stoffkreislauf zurückzuführen. Jetzt beginnt wieder die Zeit des Waldspazierganges. Freuen wir uns am hellen Grün der Buchen, der Mai-Spitzen, der Fichten und den zarten Farben der Frühblüher. Seien wir uns aber auch bewusst, dass der Wald im Frühjahr seine Arbeit als Lärm- und Luftfilter wieder aufnimmt.
Roswitha Wolde-Johannes
Schwarzspecht (Dryocopus martius)
Im Frühjahr ist er nicht zu überhören: er trommelt, was das Zeug hält, sowohl zur Balz als auch zur Reviermarkierung. Es handelt sich um den Schwarzspecht, den größten europäischen Specht, der mit seinem kräftigen Schnabel Bruthöhlen meißelt, vorzugsweise in alte Buchenstämme, aber auch in Tannen, Birken und Fichten – im Gebirge bis zu einer Höhe von 1200 m. Diese Höhlen – angelegt in 10 m Höhe – haben einen Durchmesser von 85-130 mm und 30 cm Tiefe. Im selben oder im Nachbarstamm werden noch zusätzliche Schlafhöhlen angelegt.

Der etwa krähengroße, einfarbig schwarz bis schwarzbraune Vogel
trägt eine feuerrote Kopfplatte, das Weibchen ist am kleinen roten Nackenfleck
zu erkennen. Die Vögel der Familie der Spechte haben Kletterfüße,
d.h. zwei Zehen sind nach vorn, zwei nach hinten gerichtet. Alle Arten sind
Nesthocker.
Ein Brutpaar des Schwarzspechtes beansprucht 50 bis mehrere Hundert Hektar Wald.
Früher lebte er in zusammenhängenden Wäldern, heute muss er sich
mit z. T. kleinen Waldinseln begnügen. Voraussetzung jedoch sind Altholzbestände
für das Anbringen der Höhlen, Totholz, morsche Baumstümpfe und
Lichtungen für seine Hauptnahrung Ameisen und Käferlarven.
Familie Schwarzspecht brütet im April in 12-14 Tagen 4-6 weiße Eier aus. Beim Brüten lösen sich die
Eltern ab. Die jungen Nesthocker werden von beiden Eltern gefüttert. Sie sind nach 4 Wochen
flügge, werden jedoch noch weitere 1-2 Monate gefüttert und
geführt – insgesamt eine recht lange Aufzuchtphase. Der Schwarzspecht
ist nicht sehr scheu und wenn man Glück hat, kann man ihn aus einer Höhle
schauen sehen wie aus einem Fenster.
Wussten Sie, dass
Roswitha Wolde-Johannes
| Deutscher Alpenverein Sektion Hannover e. V. Stand: 05.12.2007 |